Interview mit Derek Meister

Herr Meister, wann und wie haben Sie angefangen zu schreiben?
Ungefähr mit 13 Jahren. Ich hatte einen Schulkameraden, mit dem ich Filme gedreht habe und wir haben uns die Geschichten ausgedacht und aufgeschrieben. Einige Monate später habe ich dann angefangen Geschichten unabhängig von den Filmen zu schreiben. Damals habe ich sehr schnell gemerkt, dass es Spaß macht, mir Figuren auszudenken, spannende Geschichten zu erfinden oder auch durchs Schreiben Dinge von einer ganz anderen Seite betrachten zu können. Das Schönste beim Schreiben ist ja, wenn man selbst überrascht wird, wenn man merkt, die Neugierde ist wieder einmal entfacht.

Gibt es Vorbilder, die Sie und Ihre schriftstellerische Arbeit beeinflussen?
Ja. Viele sogar. Und was mir am meisten gefällt: Sie sind so kunterbunt, wie mein Buchregal selbst. King, Updike, Crichton, Arnold Stadler, Neal Stephenson …

„Ghosthunter“, der Auftakt Ihrer neuen Trilogie, ist Ihr erstes Buch im All-Age-Bereich; bisher haben vor allem historische Romane für Erwachsene geschrieben. Inwiefern schlägt sich diese Unterscheidung beim Schreiben nieder?
Die Unterscheidung war gar nicht so sehr, ob es „All-Age“ oder „für Erwachsene“ ist – was für eine gruselige Unterteilung – sondern eher das Genre. Immerhin ist „Ghosthunter“ mein erster Mystery-Thriller. Ich musste mich erst einmal aklimatisieren, als ich vom mittelalterlichen Schwertkampf ins Hightech-Labor der Amundsen-Scott-Base getreten bin, wo die Ghosts ihr Unwesen treiben.

Lesen Sie selbst gerne Mystery oder Sciene-Fiction?
Sicher! Sonst würde ich so eine Geschichte gar nicht schreiben wollen. Ich kann nur schreiben, was ich selbst gerne mag. Und ich liebe Thriller, „Schauerromane“ (welch schönes Wort) und gut gemachte Science.

Sie sind ein erfahrener und erfolgreichen Drehbuchautor, was man „Ghosthunter“ durchaus anmerkt. Was ist zuerst da: Das Wort oder das Bild? Anders formuliert: Ist die Verfilmung schon fertig in Ihrem Kopf?
(Lacht) Die „Verfilmung“ ist immer fertig. Aber, ehrlich gesagt, ist das bei all meinen Büchern so. Ich stelle mir die Geschichten ja bildlich vor – als Kopfkino – und schreibe dann. Keine Ahnung, wie andere Autoren es machen, aber ich versuche die Bilder und Gefühle, die ich im Kopf habe, aufs Papier zu bannen. Gerade bei „Ghosthunter“ ging dies natürlich hervorragend, weil die Geschichte an so abenteuerlichen Orten spielt und so rasant „geschnitten“ ist.

In „Ghosthunter“ nehmen Sie Bezug auf wissenschaftliche Theorien der Physik. Hatten Sie beim Schreiben wissenschaftliche Unterstützung? Und welche Rolle spielt das Internet heutzutage bei der Recherche?
Ich hatte Unterstützung – und zwar unter anderem aus dem Internet. Sicher würde ich mich an einen solchen Stoff ohne Beratung nicht herantrauen. Das Internet ist für mich eine extrem wichtige Recherchemöglichkeit. Gerade um einen Überblick zu bekommen oder in die Materie eines Themas einzutauchen. Außerdem will ich die ganzen Foren – etwa das Japan-Forum oder die wissenschaftlichen Diskussionsforenr – nicht mehr missen wollen.

Was hat sie überhaupt dazu bewogen, einen Roman verfassen, der sich auf Phänome der modernen Physik bezieht? Interessieren Sie sich auch privat für solche Themen?
Sehr sogar. Ich habe als Schüler Mathe nie wirklich gemocht, aber sie ab da faszinierend gefunden, wo die Mathematik in philosophische Fragen überging. Und genau diese Fragen stellt die moderne Physik – oder sie wirft diese uralten Fragen wieder neu auf. Gibt es Paralleluniversen? Wenn ja, wie sehen sie aus? Hat die Welt, in der wir leben, wirklich nur drei Raum-Dimensionen? Was heißt Ereignishorizont? Können wir vielleicht doch schneller als das Licht sein? Sind Zeitreisen möglich? Was ist die Dunkle Materie? Was das Higgs-Teilchen? Man hat sich in der jüngsten Vergangenheit nur anschauen müssen, wie viel Hysterie herrschte, weil in Cern der bisher größte Teilchenbeschleuniger seine Arbeit aufnahm. Von „Schwarzen Löchern“, die die Welt verschlingen, war da die Rede. Dabei haben viele noch nie ein Wort über Schwarze Löcher gelesen (geschweige denn, eines gesehen*. (lacht)) Die Mystery, das Geheimnis, das Unheimliche, ist nicht selten die Wissenschaft selbst, oft das, was uns die Wissenschaft über uns selbst und das Universum verrät und immer das, was sie gerade nicht verraten kann. Mystery und Science passen schon deshalb gut zusammen, weil sie beide die Frage nach dem „Warum“ stellen und uns hinter das Bekannte sehen lassen wollen.

Und wie ist das mit dem Leben im All, das ja eine tragende Rolle in „Ghosthunter“ spielt. Glauben Sie selbst daran?
Hundertprozentig. Es wäre vermessen zu glauben, wir seien allein.

„Ghosthunter“ spielt in London, Tokio und der Antarktis, dabei werden Sie zum Teil sehr konkret bei den Beschreibungen. Haben Sie die Schauplätze tatsächlich vor Ort recherchiert?
Ich wünschte, es wäre so gewesen. Während ich schon einige Male in London war, habe ich die Antarktis leider noch nicht betreten. Zumeist stütze ich mich auf sehr umfangreiche Recherchen. Wobei das Internet gerade für Alltagsfragen anderer Kulturen durch viele Blogs, Foren und Reiseberichte eine ausgezeichnete Quelle ist.

Steht das Ende Ihrer Bücher eigentlich von Beginn an fest oder entwickelt die Handlung beim Schreiben eine Eigendynamik, von der Sie sich treiben lassen?
Das Ende steht immer fest. Aber wie ich dorthin gelange ist eine spannende Achterbahnfahrt. Für mich ist Schreiben immer eine Mischung aus Planung und Überraschung, denn Gott sei Dank haben die Figuren oft ihren eigenen Kopf und tun Dinge, die viel spannender sind, als man jemals vorher planen konnte. Ich lasse mich gerne treiben, aber nicht auf dem offenen Meer, sondern lieber in einem See mit klar definiertem Ufer. Die Kunst, finde ich, ist so viel wie nötig, aber nur so wenig wie möglich zu planen.

Dann sind die beiden Folgebände schon fertig?
(lacht) Nun ja, im Kopf schon. Aber ich denke, Ian, Bpm und Chiyo werden mich auf dem Weg noch so einige Male überraschen müssen, bevor die Reise ein Ende findet.

Können Sie einen Ausblick auf das geben, was den Leser noch erwartet?
Die Reise hat erst begonnen … Ian wird seinen Großvater treffen. Endlich erhält er eine Antwort auf seine kuriose Taschenuhr, auf seine Fähigkeit, die Ghosts zu sehen. Doch es könnte sein, dass diese ihm ganz und gar nicht gefallen … Außerdem muss Chiyo aus Japan fliehen. Sie stößt zu Ian und Bpm und die drei stehen vor der schwersten Aufgabe ihres Lebens: Gemeinsam müssen sie gegen die Ghosts kämpfen und herausbekommen, in wessen Auftrag die Killer arbeiten, die ihnen brutal nachstellen. Die Welt gerät an den Abgrund und nur diese drei können die endgültige Katastrophe verhindern … Hoffentlich …

Vielen Dank für das Interview, Herr Meister!


*Schwarze Löcher kann man unmöglich sehen, weil sie eine so große Masse besitzen, dass sie selbst das Licht anziehen. Es ist also unmöglich, ein schwarzes Loch zu beleuchten. Es reflektiert kein Licht, sondern schluckt es.